
von Karl Olsberg
Kurz & knapp
In einer deutschen Großstadt, genauer gesagt in Karlsruhe, wird eine Atombombe gezündet – mit selbstredend schrecklichen Folgen. Während die Überlebenden der Stadt und näheren Umgebung mit ihrer Verstrahlung und der Trauer um Freunde und Angehörige kämpfen, bilden sich in Deutschland Gruppierungen, die Hass verbreiten und Gewalt ausüben.
Ex-Kommissar Lennard Pauly, dessen Sohn der Bombe ebenfalls zum Opfer fiel, ist auf der Suche nach den Schuldigen und gerät dabei selbst in Gefahr.
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Ich erwähnte bereits meine Affinität zu Schreckensszenarien und Katastrophen unermesslichen Ausmaßes – rein fiktiv natürlich ... Ein ordentlicher Schuss literarischer Begabung sollte ebenfalls zu den Zutaten gehören.
Ich muss sagen, »Schwarzer Regen« hat meine Gelüste dahingehend voll und ganz befriedigt!
Man stelle sich den GAU schlechthin vor: In einer deutschen Großstadt detoniert eine Atombombe.
Bis Olsberg es soweit kommen lässt, steigert er die Spannung kontinuierlich: Dem Leser wird eingangs ein Einblick in das recht triste Leben des Ex-Kommissars Lennard gewährt, gefolgt von dem Auftreten weiterer Personen, die für die Handlung der Geschichte noch von Bedeutung sind.
Das weitere Vorgehen finde ich erfrischend unkonventionell und spannend: In kurzen Episoden wird das Alltagsgeschehen verschiedener, für die Geschichte meist nicht relevanter, Personen geschildert, deren (Streit-) Gespräche und Handlungen abrupt enden, weil … SCHNITT.
Man begegnet diesen Personen wieder, allerdings nach der Detonation.
Der Roman ist also zweigeteilt: Der erste, kürzere, Teil schildert das Leben vor der Bombe, der zweite Teil zeigt auf, wie das Leben (und Sterben) danach weitergeht.
Diese Erzählstruktur verleiht der Geschichte eine enorme Lebendigkeit, sie vermittelt das Gefühl, sich inmitten des Geschehens zu befinden, ohne den Leser mit dem Vorhandensein zu vieler Personen zu überfordern.
Das ist Lektüre nach meinem Geschmack: Einerseits lümmelt man sich entspannt auf dem Sofa herum, andererseits wird der größte Albtraum der Menschheit geradezu real.
Lennard Pauly, dessen Sohn sich mit seinen Kumpels zum Zeitpunkt der Explosion in Karlsruhe befand, begibt sich, von Hass und Trauer erfüllt, auf die Suche nach den Tätern. Der Roman entwickelt sich nun aber bei Weitem nicht zum Krimi – zum Glück für mich. Vielmehr geht es darum, dass Pauly sich seinen Ängsten und seiner Vergangenheit stellen muss und insbesondere darum, nicht denselben Fehler noch einmal zu begehen. Und jaaa, auch die Liebe kommt nicht zu kurz …
Sehr aufschlussreich ist zudem, wie Olsberg die neue (bzw. alte) politische Gesinnung schildert: Rechte Gruppen schießen nach dem Anschlag wie Pilze aus dem Boden und erhalten die Zustimmung der breiten Masse. Schließlich ist ein Terrorakt solchen Ausmaßes nur einer ganz bestimmten Religionsgemeinschaft zuzutrauen, nicht wahr, Herr Bush?
Wer nun aber eine glasklare Auflösung des Falls erwartet, wird enttäuscht. Ich halte das Ende des Buchs dennoch für sehr gelungen.
Kleines Manko: Die Folgen des Fallouts für ganz Deutschland und die Nachbarländer werden nicht weiter geschildert. Da eine detaillierte Schilderung diesbezüglich vermutlich auch den Rahmen sprengen und von der eigentlichen Handlung ablenken würde, sei dies verziehen.
Legt man das Buch schlussendlich beiseite, bleibt eigentlich nur ein Gedanke zurück:
Möge der schwarze Regen niemals über uns niedergehen ...


