Dienstag, 10. November 2009

AUSGEBRANNT


von Andreas Eschbach

Kurz & knapp:
Der Menschheit geht das Erdöl aus, da das weltweit größte Ölfeld in Saudi Arabien versiegt ist. Die Situation gerät außer Kontrolle, Chaos bricht aus und die Zivilisation steht kurz vor dem Kollaps. Markus Westermann, der in den USA den beruflichen Durchbruch schaffen möchte, glaubt, eine völlig neue Methode entdeckt zu haben, um Öl zu fördern. Aber ganz so einfach ist es nicht ...
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Ich muss gestehen, dass dieses Buch – obwohl griffbereit auf meinem Nachttisch – bereits etwas Staub angesetzt hat, bevor ich es endlich von seinem unwürdigem Dasein des Nicht-Gelesen-Werdens erlöste.
Nun, ich habe ein ausgeprägtes Faible für Romane mit apokalyptischer Tendenz, ja, ich gebe es zu, ich stehe wahnsinnig auf Weltuntergangsszenarien, auf das totale Chaos und auf die Ausrottung der Menschheit. Nur auf Papier versteht sich.

Warum das Buch trotzdem in Gefahr geriet, vergessen zu werden? Die Antwort ist: Öl. Mir war zwar durchaus bewusst, dass Öl unfassbar wichtig ist, die Welt regiert und am besten niemals versiegen sollte, aber deswegen gleich einen Roman zu diesem Thema lesen?
Bereits ab der ersten Seite des Buchs wurde mir dann schmerzhaft bewusst, wie unglaublich ignorant ich doch war, denn ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. »Ausgebrannt« hält den Leser von Anfang an auf Trab: Diverse Geschichten werden parallel erzählt und immer wieder neue Figuren ins Geschehen eingeführt. Zudem switcht Eschbach beständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was dem Buch zusätzlich eine besondere Note verleiht. Mag man anfangs noch ein wenig verwirrt sein ob der zahlreichen Handlungsstränge und Personen, fügt sich nach und nach alles zu einem wunderbaren Ganzen zusammen, ohne allzu konstruiert zu wirken.

Ziemlich erfrischend finde ich die Tatsache, dass Markus Westermann (unser vermeintlicher Self-Made Man) keinen typischen Sympathieträger darstellt, zumindest für meinen Geschmack nicht. Wer sagt denn, dass Protagonisten immer nett sein müssen?
Ebenfalls extrem spannend finde ich die Einblicke in das alltägliche Leben im Königreich Saudi Arabien, welches für mich – trotz arabischen Blutes in meinen Adern – recht albtraumhaft erscheint.
Als Thriller würde ich das Buch nicht unbedingt bezeichnen, es ist eher ein Wissenschaftsroman, bestückt mit zahlreichen Daten und Fakten. Aber keine Angst, selbst vermeintlich trockene Fakten bezüglich des schwarzen Goldes fügen sich problemlos in die Geschichte ein und lassen sich flüssig lesen. Die Spannungskurve steigt kontinuierlich und ich musste mich permanent dazu zwingen, nicht vorschnell einen Blick aufs Ende des jeweiligen Kapitels zu riskieren. Vielleicht kennt der ein oder andere das, schlimme Sache ...
Zum Ende des Buches nur soviel: Es stimmt einen nachdenklich, eventuell sieht man unsere ach so fortschrittliche Gesellschaft mit etwas anderen Augen.

Ach so, das es sich ja schließlich um einen kritischen Blog handelt, soll es auch ein wenig Kritik hageln: Bei einigen (wenigen) Formulierungen könnte man denken, die Übersetzer hätten Mist gebaut. Allerdings ist »Ausgebrannt« ein deutscher Roman, folglich gibt es auch keine Übersetzter ... Viel mehr habe ich nicht zu bekritteln, möchte ich auch gar nicht. Bleibt nur noch Folgendes festzustellen:

Öl – hat mich dieses Thema früher fasziniert?
Nicht sonderlich.
Wird es mich in Zukunft interessieren?
Ein ganz klares JA!

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